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Beuteltiere, Schnabeltiere, Quastenflosser, Riesensalamander oder Brückenechse – alle diese so unterschiedlichen Tiere haben eines gemeinsam: In Wissenschaftlerkreisen gelten sie als lebende Fossilien. Nahezu in jeder Tier- oder Pflanzengruppe haben die Forscher mittlerweile einige dieser Relikte aus der Vergangenheit der Erde entdeckt.

Obwohl es bisher keine allgemeingültige Definition für solche Tieren oder Pflanzen gibt, haben Wissenschaftler doch einige Kriterien benannt die für lebende Fossilien typisch sind. Dazu gehören: Eine Jahrmillionen dauernde „Verweildauer“ auf der Erde ohne große Veränderungen beim Körperbau und Aussehen oder ein rezentes Vorkommen nur noch in kleinen Restbeständen.

Auch wenn sich lebende Fossilien in den Jahrmillionen der Evolution vom Äußeren her in der Regel kaum verändert haben, bedeutet dies nicht, dass ihnen die Fähigkeit zur Anpassung an modifizierte Umweltbedingungen komplett fehlt.

Nach Meinung der Wissenschaftler gibt es viele Gründe dafür, warum sich lebende Fossilien bis heute auf der Erde halten konnten. Fehlende Konkurrenten oder Fressfeinde, eine genügsame, wenig spezialisierte Lebensweise oder die Besiedelung von abgelegenen Lebensräumen wie Tiefsee oder Regenwald gehören dazu.

Manchmal spielt auch der Zufall eine große Rolle oder die Lebewesen besitzen eine besondere Trumpfkarte, die ihre Existenz über Jahrmillionen sicherte. So überstand der Nautilus das Massenaussterben am Ende der Kreidezeit vor rund 65 Millionen Jahren auch wegen seiner langsamen Fortpflanzung.

Für Paläontologen und Evolutionsforscher sind lebende Fossilien von großer Bedeutung. Vom heutigen Aussehen und Verhalten dieser Tiere und Pflanzen können sie vergleichsweise sichere Rückschlüsse auf die Situation vor Millionen von Jahren ziehen und so das Wissen über die Evolution, den Stammbaum des Lebens und die verschiedenen Erdzeitalter wie Jura oder Kreide erweitern.

Einer der ersten, die sich mit dem Phänomen der lebenden Fossilien beschäftigt hat, war der Urvater der Evolutionstheorie Charles Darwin. Er betitelte außergewöhnliche Lebewesen wie Schnabeltier, die amerikanischen und australischen Lungenfische oder die Ginkgos mit ihren „altertümlichen“ und ursprünglichen Merkmalen oder Verhaltensweisen als „living fossils“.

Nach Meinung Darwins waren lebenden Fossilien so gut an die Umwelt angepasst, dass ein Wandel nur zu einer Verschlechterung führen konnte. Er sah in ihnen Bindeglieder zwischen mittlerweile getrennten Tiergruppen.

Zu den bekanntesten lebenden Fossilien gehört der Quastenflosser. Lange Zeit hatten Wissenschaftler vermutet, dass die bereits vor 400 Millionen Jahren existierenden Tieren spätestens mit den Dinosauriern am Ende der Kreidezeit ausgestorben waren.

Im Jahr 1938 wurde dann erstmals vor Südafrika einer der heutigen Nachfahren der Quastenflosser gefangen. Seitdem hat man auch vor den Komoren und vor Indonesien sowie in der Sodwana-Bucht an der Grenze von Südafrika zu Mosambik Populationen der Urfische entdeckt.

Neben der zunehmenden Umweltverschmutzung sind es vor allem die immer kleiner werdenden Lebensräume oder das Verschwinden ihrer Nahrungsgrundlagen, die lebende Fossilien wie Lungenfische, Tapire oder Pfeilschwanzkrebse bedrohen. Selbst in den entlegensten Winkeln der Erde sind sie heute nicht mehr vor dem Menschen sicher.